Der WLFI-Token von World Liberty Financial fiel am 9. April um fast 10 % auf 0,0888 USD, den niedrigsten Wert seit dem späten Jahr 2025, als der Token auf den Markt kam. Zwei verschiedene Kontroversen traten in kurzer Folge auf, sodass Verkäufer kaum einen Grund hatten, den Token zu halten.
WLFI steht aktuell vor Fragen, mit wem das Unternehmen Geschäfte macht und wie mit der eigenen Treasury umgegangen wird.
Ein Partner mit problematischer Vergangenheit
Eine Recherche der Times vom 7. April zeigt, dass WLFI den Stablecoin USD1 mit AB DAO, einem südostasiatischen Blockchain-Projekt, integriert hatte. AB DAO hatte bis wenige Wochen vor dem Deal für ein Resort des Prince Group aus Kambodscha geworben. Die US- und britischen Behörden sanktionierten Prince Group Gründer Chen Zhi im November und beschlagnahmten dabei Bitcoin im Wert von 15 Milliarden USD wegen mutmaßlicher Beteiligung an großangelegtem Online-Betrug.
WLFI erklärte, dass sie eine Prüfung durchgeführt haben und keine Beziehung zu sanktionierten Personen besteht. Die Times fand heraus, dass das Unternehmen bei Vertragsunterzeichnung nichts von den bisherigen Verbindungen von AB DAO wusste. Zuvor gab es bereits Vorwürfe, die WLFI abstreitet, dass Token-Verkäufe an Wallets mit Verbindung zu Iran, Nordkorea und Russland gingen.
Transaktionen der Treasury werfen schwierige Fragen auf
BeInCrypto berichtete am 8. April, dass die Treasury von WLFI drei Milliarden Token bei Dolomite hinterlegt und mehr als 50 Millionen USD1 geliehen hat. Damit lag die Auslastung des Pools über 100 %.
On-Chain-Daten zeigen, dass die offizielle Treasury-Multisig von WLFI, eine Wallet mit Vermögenswerten von mehr als 1,1 Milliarden USD, die von Etherscan öffentlich als „World Liberty: Multisig“ markiert ist, etwa fünf Milliarden WLFI-Token über eine extra für diesen Zweck erstellte Zwischen-Wallet leitete und danach den Gesamtbetrag bei Dolomite hinterlegte. Gegen diese Sicherheit lieh sich das Team 65,4 Millionen USD1 und 10,3 Millionen USDC und überwies anschließend über 40 Millionen USD1 zu Coinbase Prime.
Der Sicherheiten-Posten hat laut Dolomite-Statistikseite am 9. April einen Wert von 440 Millionen USD. WLFI wird mit begrenzter Markttiefe gehandelt. Eine erzwungene Liquidation wäre daher nahezu unmöglich, ohne dass der Preis des Tokens stark einbricht. Ein Liquidationsstrudel würde zur Folge haben, dass Dolomite mit uneinbringlichen Schulden dasteht und keine einfache Lösung findet.
Die Kreditaufnahme hat bereits Probleme verursacht. Der USD1-Lending-Pool bei Dolomite ist inzwischen zu 100 % ausgelastet, daher gibt es keine verfügbare Liquidität. Einleger können ihr Geld erst abheben, wenn die Darlehen zurückgezahlt werden. Die Einlagezinsen für USD1 sind auf mehr als 35 % gestiegen, was eine künstliche Verknappung durch eine einzelne Insider-Partei widerspiegelt und nicht auf organische Nachfrage zurückzuführen ist.
Der Stablecoin USD1 von WLFI ist inzwischen auf über 4,6 Milliarden USD im Umlauf angewachsen. Diese Größenordnung hat Auswirkungen, die weit über den WLFI-Token hinausreichen.
Würde nun ein spekulativer Akteur WLFI massiv auf fallende Kurse setzen, könnte der resultierende Preisverfall eine Liquidationskaskade auslösen, die Dolomite nicht abfangen kann. Genau dieses Szenario ist im DeFi-Bereich bereits passiert, besonders folgenschwer war es im Jahr 2022 mit Terra. Im Gegensatz zu Terra wird USD1 durch US-Staatsanleihen und Zahlungsmittel gedeckt, was das Risiko eines kompletten Depeggings begrenzt. Dennoch: Mit 4,6 Milliarden USD1 im Umlauf blieben die Auswirkungen einer Dolomite-Krise nicht unbemerkt.
WLFI hat bislang keine öffentliche Stellungnahme zu der Transaktion oder deren Ziel veröffentlicht.
